Historie

Der Turnverein 1893 Köln-Flittard wurde vor über 110 Jahren gegründet. Er hat sich in dieser Zeit wiederholt hinsichtlich der vorwiegend gepflegten Sportarten verändert. Eines ist jedoch über die gesamte Zeit Schwerpunkt geblieben. Die Pflege und Förderung des allgemeinen Breitensports, der einem großen Teil unserer hiesigen Bevölkerung Gelegenheit zum Mitmachen geben sollte und bis heute gibt.


Zur Historie

In 1893 hatte Flittard ca. 1000 Einwohner, die nicht mehr, wie noch ein paar Jahrzehnte zuvor, nur von Fischfang und Ackerbau lebten. Viele junge Burschen arbeiteten in Fabriken der umliegenden Ortschaften. Nach der Feststellung, dass die harte Arbeit allein ihr Leben nicht restlos ausfüllte, gründeten einige der Männer den Turnverein. Die "Männer der ersten Stunde" trugen Namen, die seit Generationen und bis heute noch in Flittard anzutreffen sind. Die Sportler übten zunächst im Hof des Oberturnwartes, dann in dem neu erbauten Saal von S. Niesen. Erste Turngeräte wurden durch Geldsammlungen in der Flittarder Bevölkerung finanziert. Hauptsportarten waren damals Turnen, Stemmen, Ringen, Keulenschwingen, Pyramidenbau, Aufmärsche mit Fahnenschwenken und Wettläufe durch die Dorfstraßen.


1909 trat der TV-Flittard der "Deutschen Turnerschaft" bei. In dieser Zeit förderte der Ehrenvorsitzende P. Roggendorf den Verein und baute u.a. in 1903 den "Flittarder Hof" für die Zwecke des Schützenvereins Sankt Sebastianus, des Turnvereins Flittard sowie des Kirchenchors Cäcilia. Auch der nachfolgende Besitzer des Flittarder Hofs, M. Zimmer, entwickelte sich zu einem großen Gönner des Vereins.


In der Zeit bis zum ersten Weltkrieg errangen Aktive des Turnvereins viele sportliche Erfolge bei regionalen und überregionalen Turnfesten. Sogar am Deutschen Turnfest in Leipzig, 1913, nahmen Sportler des TV-Flittard teil. Mit Kriegsausbruch wurde das Turnen hier eingestellt. Bereits in 1919 nahm man den Sportbetrieb jedoch wieder auf. Zwei Jahre später fand im Saal M. Zimmer ein großes Turnfest statt, an dem viele auswärtige Vereine teilnahmen. Ebenfalls in 1921 wurde auch die erste Turner/innengruppe gegründet. In den Nachkriegsjahren pflegte der Verein außer Turnen und Laufen Sportarten wie Schlagball, Faustball und Schleuderball.


Nach einer Flautezeit in den "Zwanzigern" mit Inflation und hoher Arbeitslosigkeit, als nur noch einige wenige aktiv waren, schaffte es die damalige Vorstandsführung mit A. Krall und E. Frantzen, bei gleichzeitiger materieller Förderung durch E. Kürten, den Verein zu seinen größten sportlichen Erfolgen zu führen. Prunkstück war damals die Leichtathletikabteilung, die zu den erfolgreichsten ihrer Art in Köln zählte. Am 02.Okt. 1932 fand in Flittard ein Marathonlauf statt, an dem 15 Leichtathleten teilnahmen. Ein Jahr später nahmen an diesem Rennen 22 Läufer, u.a. aus Düsseldorf und Bonn, teil.


Neben den Leichtathleten trugen auch die Ringer zum Ruhme des Flittarder Turnvereins bei. Mit zwei Mannschaften waren sie im rheinisch-westfäischen Bereich zu dieser Zeit erfolgreich unterwegs. Aber egal, ob die Vereinsmitglieder Ringer, Leichtathlet, Boxer, Gewichtheber, Judokämpfer, Handballer oder Fußballer waren (all dies wurde damals, z.T. vorüber gehend, praktiziert), jedes aktive Mitglied musste am Turnen bzw. an der Gymnastik teilnehmen. Für den Turnbetrieb konnte dann ab 1935 auch die Turnhalle in der Paulinenhofstr.(Schule) genutzt werden.


Zu den größten Ereignissen damaliger Zeit zählte für den Turnverein der Bau des Sportplatzes Am Rheindamm. Zusammen mit dem Arbeiterturn- u. Sportverein "Sportfreunde Flittard" wurde aus eigener Kraft eine vorbildliche Platzanlage geschaffen. 2 Jahre (1931/32) arbeitete man an dieser Sportstätte, inclusive einem umlaufenden Erdwall, um den teilweise sehr zahlreichen Zuschauern späterer Veranstaltungen eine gute Sicht zu bieten. Am 19.06.32 wurde das "Jahn-Stadion", wie man es damals nannte, vom Vorsitzenden der "Freien Deutschen Turnerschaft" unter großer Anteilnahme der Flittarder Bevölkerung feierlich eingeweiht.


Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges trat der Turnverein nicht nur mit sportlichen Erfolgen, sondern auch mit gesellschaftlichen Aktivitäten im Dorf nachhaltig in Erscheinung. So veranstaltete er im Januar1933 die erste Karnevalssitzung in Flittard seit 1914. An den Darbietungen bester Kölner Karnevalisten und eigener Kräfte des Turnvereins begeisterten sich rund 900 Besucher. Eine solche Sitzung wiederholte der Turnverein Anfang 1939. Mit dem 3. September 1939 begann dann für den Turnverein eine 10 Jahre währende Zeit der Inaktivität.


Während der ersten Nachkriegsjahre waren alle Menschen zunächst damit beschäftigt, ihre Grundbedürfnisse irgendwie befriedigen zu können. Sie suchten nach Nahrung, Kleidung und Brennmaterial. Erst mit der Währungsreform 1948 kam in vielerlei Hinsicht, die Wende. Nachdem der Turnbruder Eduard Frantzen in den Rat der Stadt Köln gewählt wurde, setzte er sich mit dem damaligen Rektor Brück erfolgreich für den Wiederaufbau der Turnhalle Paulinenhofstr. und die Neubeschaffung von Turngeräten ein.
In der Folge kam es im Okt.1950 zur "Wiederbegründungsversammlung" des Turnvereins. Damals lag der erklärte Schwerpunkt der Vereinsaktivitäten, auch zum Zwecke der Nachwuchsgewinnung, im Bereich des Kinderturnens.


In den Jahren 1951 und `52 veranstaltete der TV Flittard im dicht gefüllten Saale M. Zimmer zwei große Turnwettkämpfe als offizielle Meisterschaftskämpfe des Deutschen Turnerbundes. An diesen nahmen u.a. auch (von auswärts kommend) mehrere Olympiakandidaten teil.
Ähnlich erfolgreich entwickelte sich ab Mitte der Fünfziger Jahre der Handballbereich. Die neu gegründete Herrenmannschaft siegte in einer Pflichtfreundschaftsrunde und wurde dadurch in die 1.Kreisklasse des Rheinisch-Bergischen Kreises eingegliedert. Auch eine in 1954 neu gegründete Jugendmannschaft wurde in ihrer ersten Saison gleich Kreismeister. Neben erfolgreichen Pflicht-/ Meisterschaftsspielen gewannen Turniere und Freundschaftsspiele gegen benachbarte oder auch weit entfernte Vereine an Bedeutung. Über viele Jahre hinweg wurden auswärtige Turniere mit der ganzen Familie und mit Freunden/Anhängern des Flittarder Handballsports besucht. Diese Art des Sporttreibens führte zu einem starken, grundsätzlich bis heute erhaltenen Gemeinschaftssinn gerade (jedoch nicht nur) in dieser Abteilung.


Nachdem es vor sehr langer Zeit einmal Ansätze von Damenhandball in Flittard gab, wurde eine solche Gruppe 1973 erneut ins Leben gerufen. Zunächst von den Beteiligten nicht so richtig ernst gemeint, entwickelte sich in der Folge ein sportlicher Ehrgeiz, der entsprechende Konsequenzen zur Folge hatte.(Anmeldung zur Meisterschaft, Aufnahme Leistungssport bezogener Spielerinnen, konsequentes Training) Seit dem haben auch die Handball spielenden Frauen den Ruf des TV-Flittard über die Grenzen Kölns hinaus, z.B. durch ihr Mitspielen in der Oberliga, in positiver Hinsicht verbreitet.


Anfang der Siebziger Jahre entstand neben den bereits etablierten Sportarten eine Volleyball- und eine Badmintonabteilung. Beide Gruppen fügten sich problemlos in das Vereinsleben ein und die Volleyballer nahmen ebenfalls mit wechselndem Erfolg an Meisterschaftsrunden im Bereich des regionalen Fachverbandes teil.
Erwähnenswert ist aus der etwas weiter zurück liegenden Zeit noch die Entstehung und über dreißig Jahre währende Durchführung des Flittarder Deichlaufs. Auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit nahmen hieran ca. 1000 Läufer/innen teil. Mangels ausreichender Resonanz im örtlichen/regionalen Bereich wurde der 30ste Lauf im Jahr 2000 letztmalig ausgetragen.


Der Turnverein im 21. Jahrhundert

Heute stellt sich der TV Flittard mit seinem 110jährigen Bestehen als nach wie vor wesentlicher Teil unseres Heimatortes dar. Seine ca. 650 Mitglieder werden in den Sportangeboten Badminton, Freizeitsport (Fußball u. Tennis), Gymnastik, Handball (Damen u. Herren), Jazz-Aerobic, Kinder- u. Jugendhandball, Kinderturnen, Mutter- u. Kindturnen, Rückengymnastik, Stepp-Aerobic, Turnen (Männer, Er & Sie, Senioren), Volleyball (Damen u. Herren, Jugend) kompetent betreut und angeleitet. Hierfür stehen dem Verein insgesamt 20 engagierte und entsprechend ausgebildete Übungsleiter zur Verfügung. Der Sportbetrieb findet in den zwei Flittarder Schulsporthallen sowie auf dem bereits erwähnten Sportplatz am Rheindamm statt. (Einzelheiten s. "Angebot") Der TV Flittard wird z.Z.von einem aus 16 Personen bestehenden Vorstand geführt.


Zu den erwähnenswerten Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit zählt einerseits die erfreulich konstant hohe Zahl an Turnerinnen und Turnern - die jüngsten sind ca. 2 Jahre, die ältesten haben die 80 bereits überschritten -. Andererseits ist es die Begeisterung, mit der einige Handballer ihren Bereich wieder weiter entwickelt haben. Es wurde dort durch engagiertes Mitwirken junger Frauen und Männer der Kinder- und Jugendbereich enorm intensiviert, so dass wir z. Zt. (2005) acht Gruppen/Mannschaften betreuen. Außerdem wurde unser Sportplatz durch das Erstellen einer Beachsportfläche zeitgemäß aufgewertet, mit der Folge, dass der TV Flittard in 2005 zum sechsten Mal als Ausrichter eines Handball-Beach-Masters-Turniers auftritt, dessen Gewinner (Herren und Damen) sich jeweils für die Endrunde der deutschen Beach-Handball Meisterschaft qualifizieren können. Aber auch in den weiteren Bereichen herrscht rege Betriebsamkeit und der wünschenswerte/angestrebte, möglichst reibungslose Ablauf ist durch ständigen Kontakt zwischen den Aktiven und dem Vorstand weitestgehend gewährleistet.


Aktuelle Informationen zum TV Flittard erhält jede/r Interessierte außer auf der hiesigen Vereins-Homepage auch im Schaukasten an der Gaststätte Flittarder Hof, Evergerstr. (danke, HaPe) sowie durch gelegentliche Beiträge in der Flittard Intern.

 

Mit sportlichem Gruß, Köln, im Juli 2005
Für den Vorstand
M.E.

 

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